Isaan - Forum

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BeitragVerfasst: So Jan 28, 2007 8:15 am 
Wenn ich mal tatsächlich via Verwandte oder Freundin im Internet Kontakt zu einer "im Katalog :wink: angebotenen" Thai-Lady bekomme, dann zitiere ich ja auch mal thailändische Schriftsteller.
Leider wird ja von denen kaum was ins Deutsche übersetzt - man möchte wohl einen Kulturschock anderer Art vermeiden und auch den möglichen reiseinteressierten Leser nicht zu sehr mit dem extremen Nationalismus der Thais und der real starken Verachtung der Farang belasten ... .
Fakt ist: die Schockwirkung bei den Thai-Ladies ist jedesmal enorm. Man kennt schon seine Schriftsteller, aber niemand rechnet mit einem Deutschen, der dann sogar noch aus den Werken dieser Schriftsteller zitiert. "Durch die Blume" oder direkt und erstaunlich offen kommt dann rüber ... : Du denkst zu viel und Du weißt zu viel. Meist ist das auch das Ende des Kontaktes.
*
Das Ganze begann übrigens für mich mit einem Beitrag im Internet, wo ich herzlich lachen muste. Aber zurück zum Kern der Frage: kennt einer seine Bücher, wie gefallen Sie Euch ?


Zuletzt geändert von Otto53 am So Jan 28, 2007 9:08 am, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: So Jan 28, 2007 8:49 am 
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Muss gestehen, dass ich seine Bücher nicht kenne..... aber dieser Satz

Zitat:
Du denkst zu viel und Du weißt zu viel.


kommt mir sehr bekannt vor ....... den bekomme ich nicht selten zu hören.

Gruß

Johann

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BeitragVerfasst: So Jan 28, 2007 9:04 am 
Eine der Thai-Damen, die in ihrer englischsprachigen Mail mir gegenüber direkt schriftlich diese Formulierung benutzte, ist jetzt noch immer als Suchende auf http://www.thaifrau.org zu finden.
*
Also: wer bitte kennt sein Buch "Sightseeing" ?
Als Name wird mitunter auch "Trattawut Lapcharoensap" geschrieben. :?:


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BeitragVerfasst: So Jan 28, 2007 4:53 pm 
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@ Otto53,

den von dir genannten Rattawut Lapcharoensap kenne ich nicht.
Ich habe aber hier im Forum 2X deutsche Übersetzungen thailändischer Autoren vorgestellt, darunter eine Anthologie:

http://isaan-forum.com/viewtopic.php?t=2161

Ich werde mal im Netz nachschauen - klingt interessant "Sightseeing" von R. L.

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BeitragVerfasst: So Jan 28, 2007 9:08 pm 
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Zitat:
Rattawut Lapcharoensap: Sightseeing
vorgestellt von Antje Deistler

Der Inhalt
Sieben Geschichten über das Thailand von heute.

Die erste beginnt so :
"... die Deutschen kommen auf die Insel. Fußballschuhe, Riesen T-Shirts, schwere Zungen. Sprechen wie Spucken.... Die Italiener mögen dünne Stoffe und Ledersandalen...die Franzosen rundliche Mädchen. Die Briten wollen an ihrem bleichen Teint arbeiten und ihre Vorliebe für Hasch pflegen, die Amerikaner sind die Fettesten und Geizigsten."

Sieben Geschichten aus dem Leben junger Thais, die nicht nur fette, bleiche Touristen sondern auch den normalen erbärmlichen Alltag ertragen müssen. Einige der Geschichten, wie die von den " Farangs" (Touristen) wurden bereits nach ihrem Erscheinen in amerikanischen Zeitungen preisgekrönt . In "Farangs" verliebt sich der Erzähler in eine amerikanische Urlauberin, die ,wie offensichtlich viele, Sex sucht, nackt auf einem Elefanten tanzt, ein Hausschwein namens Clint Eastwood kennen lernt, das um ein Haar beim Schwimmen im Meer ertrinkt.

Der Autor
Trattawut Lapcharoensap wurde 79 in Chicago geboren. Er wuchs dann in Bangkok auf und studierte später in den USA. Seine Geschichten erschienen in zahlreichen US Zeitschriften. " Sightseeing " ist ein Bestseller und wurde in elf Sprachen übersetzt.

Die Bewertung
Ein Volltreffer, ein beeindruckendes Buch über Thailand und seine Menschen. Um in die Geschichten einzutauchen, muss man kein Freund von exotischen Reisezielen sein. Das Buch nimmt einen sofort mit , man ist ganz nah dran am richtigen Leben , auch wenn man bislang nur Urlaub auf Borkum oder in Bayern gemacht hat .

Ich bin ohnehin ein Freund von Kurzgeschichten, aber diese thailändischen Erzählungen haben mir auch deshalb so gut gefallen, weil sich jede einzelne von ihnen wie ein guter Roman liest. Sie sind fröhlich und traurig zugleich, lassen Schwermut und Leichtigkeit in einem spüren. Ich hatte das Buch bei seinem Erscheinen vor ein paar Jahren schon mal auf Englisch gelesen . Auch jetzt beim zweiten Mal , auf deutsch , hat es nichts von seiner eigenartigen Faszination verloren . Vermutlich werden Sie es beim ersten Mal in einem Rutsch lesen, weglegen , irgendwann wieder finden und dann noch einmal genauso verzaubert werden wie ich.


Quelle: http://www.wdr.de/radio/wdr2/westzeit/333913.phtml

@ Otto53,

du und die Antje, ihr habt mich neugierig gemacht, ich bestelle das jetzt.

Und verschiebe es in das Board "Bücher/Zeitschriften"

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BeitragVerfasst: Fr Feb 09, 2007 6:47 pm 
Hallo,

das Buch Sightseeing ist wirklich lesenswert, hat mir gut gefallen!

Gruß


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BeitragVerfasst: Fr Feb 09, 2007 7:54 pm 
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Wenn ich es durchgelesen habe, bringe ich eine kurze Rezension.
Nach den ersten zwei Kurzgeschichten kann ich vorab schon mal Thai-Schick zustimmen!

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BeitragVerfasst: Fr Feb 09, 2007 11:51 pm 
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Auch dieses Buch habe ich nun aufgrund Eurer Kritiken bestellt! Danke für diese Büchertipps, selber würde ich wohl nie darauf kommen.

Gruss Tom


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 Betreff des Beitrags: Rattawut Lapcharoensap
BeitragVerfasst: Mo Feb 12, 2007 10:46 pm 
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Hier ein kurze Rezension dieses außergewöhnlichen Buches:

In sieben Kurzgeschichten schlüpft der Autor in die Rolle des Ich-Erzählers, darunter auch in die eines gelähmten US-Rentners, der versucht, in Bangkok zurecht zu kommen und in die eines jungen Mädchens.
Meist geht es um die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, des Sich-Selbst-Findens in der heutigen thailändischen Gesellschaft.

Farangs

Natürlich werden gern die ersten Zeilen der ersten Kurzgeschichte zitiert, die @Otto53 dazu animierten, diesen thread überhaupt zu eröffnen.
Die Mutter des Erzählers betreibt eine Bungalowanlage auf einer malerischen Trauminsel im Golf von Thailand. Sie wurde von einem amerikanischen Sergeant sitzen gelassen und daraus resultiert ihre Sicht auf die Farangs, von denen sie wiederum ganz gut lebt.
Ihr Halbblut-Sohn steigt vorzugsweise jungen amerikanischen Touristinnen nach, weil er glaubt, irgendwann die grosse Liebe zu finden.
Diese Mädels suchen natürlich nur einen exotischen Urlaubsflirt.
Hier dreht Rattawut geschickt den Spieß um - ich glaube, mehr muss ich nicht sagen... :)
Der junge Mann hat ein zahmes Hausschwein, genannt Clint Eastwood, das letzte Geschenk seines Vaters.
Irgendwann taucht der abservierte Freund der Ami-Touristin mit seiner Clique auf, die sich wie ein Klischee-Abziehbild von Farang-Touristen benehmen und sogar Clint Eastwood ans Leder wollen.
Rattawut schreibt hier besonders locker und witzig, aber die innewohnende Tragikomik ist nicht zu überlesen...

Im Café Lovely

wird ein 11-Jähriger Junge Zeuge, wie sein älterer Bruder und dessen Clique sich nach dem Schüffeln von Klebstoff mit leichten Mädchen vergnügen...

Einberufungstag

Ich habe schon oft darüber gelesen, dass die Rekruten für die thailändische Armee in einer Art Lotterie ermittelt werden.
Die Freundschaft zweier junger Burschen scheitert beinahe daran, dass der eine sich darauf verlassen kann, dass er aufgrund von Bestechung ein schwarzes Los (keine Einberufung) ziehen wird.
Die Mutter des anderen lässt nichts unversucht, um ihren Sohn heraus zu putzen und zu instruieren, wie er sich verhalten soll.
Man kann sich denken, wie die Geschichte ausgeht...

In den letzten vier Geschichten läuft Rattawut zur Höchstform auf.

Sightseeing

Die Mutter des Erzählers leidet an einer unheilbaren Augenkrankheit und wird irgendwann erblinden.
Der Sohn entschließt sich, das Studium, was er so gerne beginnen möchte, zu verschieben und reist mit der kranken Mutter in den Süden Thailands zum "Sightseeing"...

Priscilla aus Kambodscha

Am Rande eines Neubauviertels entsteht eine Bretterhütten-Siedlung von kambodschanischen Flüchtlingen.
Kinder haben oft weniger Berührungsängste und so entwickelt sich aus anfänglichen Misstönen eine Freundschaft zwischen zwei thailändischen Freunden und einem kambodschanischem Mädchen (die nach Priscilla Presley benannt wurde, weil die Mutter eine Elvis-Platte hat, die man in Ermangelung eines Plattenspielers nicht abhören kann).
Die Thais rotten sich zusammen und fackeln die Flüchtlingssiedlung ab...

Lass mich hier nicht sterben

Nach der Lektüre dieser Kurzgeschichte wollte ich Rattawut spontan für den Literatur-Nobelpreis vorschlagen und dies mit einem der kauzigen Hollywood-Helden von einst verfilmen!
Nie wurde der Zusammenprall von Kulturen intensiver geschildert!
Man sieht den knarzigen, alten, gelähmten Mann im Rollstuhl vor sich, dem in Ermangelung einer Klimanlage vor Hitze fast schlecht wird; dem die eigenen Enkelkinder fremd sind, weil sie anders aussehen und anders sprechen...
Ein Meisterwerk!

Hahnenkämpfer

Um Schuld und Sühne geht es in der letzten, der längsten Kurzgeschichte von Rattawut. Nur dass hier nicht Russland, sondern Thailand der Schauplatz ist - und da ticken die Uhren anders.
In so einer Welt haben die Big Jui's und die Little Jui's das Sagen.
Da ich selbst hin und wieder schreibe, hätte ich als Schluss auch akzeptiert, wenn die Tochter des Hahnenkämpfers dem äußerst fiesen Little Jui das Glied abtrennt - aber Rattawut ist immer für eine Überraschung gut --
lest bitte selbst!! :wink:

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BeitragVerfasst: Do Mai 03, 2007 6:44 am 
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Wohnort: Bern und immer mehr Bangkok und Surin
Ich habe inzwischen die ersten beiden Kapitel gelesen und bin begeistert! Was fuer eine Wohltat nach den letzten Buch... :lol: Eine ganz andere Schreibliga! Wenns so weitergeht (wovon ich nach MadMovies Beschreibung ausgehe) ein absolut empfehlenswerter Kauf!

Gruss Tom


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BeitragVerfasst: So Feb 14, 2010 10:35 am 
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Wohnort: Bern und manchmal Ban Muang Sakon Nakhon
Ich habe das Buch "Sightseeing" von Rattawut Lapcharoensap gestern für meine Ferien in einem Monat gekauft und befüchte sehr, dass ich das Buch gelesen haben werde, bevor das Wochenende komplett ist, geschweige denn, dass ich bis zu den Ferien warten könnte...

Das Buch ist durchaus süffig geschrieben, es liest sich so leicht und kommt gefällig daher wie ein Cüpli an einem schwülen Augustabend. Die Geschichten kommen wir sehr, sehr authentisch und thailändisch vor (was ich natürlich nicht kontrollieren kann). Der verwendete Wortschatz ist sehr gross und wiederholt sich nie.

Das ist jetzt ein Buch mit Kurzgeschichten, das ich jedermann empfehlen kann, sogar meinem ehemaligen Deutschlehrer aus dem Gymnasium, der heute, zurueck aus Thailand, mit seinen Fotos und Erlebnisse zu mir zum Tee kommt :wink:

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Lieben Gruss aus Bern und Ban Muang, Michaleo มิคาเอล


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