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BeitragVerfasst: Fr Mai 07, 2010 12:58 pm 
Ein paar Gedanken zur Entstehung eines Fotos

Vor jeder Bearbeitung steht – so banal es klingt – die Aufnahme selbst.
Man kann zwar die Bearbeitung auch verwenden, um Fehler des Fotografen nachträglich auszubügeln, aber zum einen kostet es Zeit und zum zweiten wird das Ergebnis selten so perfekt wie eine Fehlervermeidung von vorneherein. Bearbeitung – nicht Verfälschung – hat den Sinn, unvermeidbare Unzulänglichkeiten der Kamera auszugleichen, die vom Fotografen beabsichtigte Bildaussage zu verstärken und ggf. durch Retusche die bei der Aufnahme nicht vermeidbaren Störfaktoren wie z.B. Stromleitungen im azurblauen Himmel oder eine am weißen Strand herumliegende Zigarettenschachtel zu beseitigen. Da mag manch einer einwenden, dass hier die Fälschung und Klitterung der Realität schon losgeht und die Grenzen dahin sind tatsächlich fließend. Auf der anderen Seite hat es aber mit der oben schon erwähnten Bildaussage zu tun: jeder wird schon mal erlebt haben, wie der Betrachter eines seiner Fotos kommentierte: „Schade, dass der blöde Ast da reinragt / dass die Kippe da im Blumenkasten liegt / dass der Himmel von Drähten zerschnitten wird etc.etc....! Man selbst hat die Störfaktoren gar nicht gesehen, weil sie für einen unerheblich waren, der Blick des Betrachters eines Fotos, der in der Aufnahmesituation nicht dabei war, wird aber unweigerlich magnetisch davon angezogen und damit völlig vom eigentlichen Motiv abgelenkt.
Und damit sind wir bei der Überleitung zum eigentlichen Thema: Der Fehler- und Störfaktorenvermeidung von vorneherein:
Die Hochspannungsleitung bekomme ich nur mit einer Sprengung der Masten weg und das gibt Ärger, aber eine Zigarettenschachtel kann ich aufheben (und in einen Mülleimer werfen -TAMBUN, gut fürs Näherrücken ans Nirwana), den störenden Ast bekomme ich vielleicht durch drei Schritte auf die Seite weg und damit dem reizenden Model nicht der dahinter stehende Pfahl aus dem Kopf wächst, muss die Schöne vielleicht nur etwas zur Seite rücken – wenn ich nur an die Millionen Partyaufnahmen mit reizenden Mädels im Hintergrund und Dutzenden angeblitzten Flaschenhälsen im Vordergrund denke...........
Das kleine Einmaleins des Fotografen besteht darin, das Bild bewusst zu gestalten und dazu gehört eine genaue Vorab-Analyse des gesamten Bildausschnittes. Das ist eine Frage der Übung und gelingt auch bei viel Erfahrung nicht immer, vor allem wenn’s pressiert – erst vor kurzem habe ich ein reizendes kleines Mädel porträtiert und war dabei so von ihren schwarzen Kulleraugen fasziniert, dass ich nicht bemerkt habe, wie ich ihr die Finger an der einen Hand abgeschnitten habe, obwohl die noch locker ins Bild gepasst hätten.
Was ich damit sagen will, ist, dass es nicht nur darauf ankommt, störende Details wenn möglich aus dem Bild herauszuhalten, sondern umgekehrt auch darauf zu achten, was nicht aus dem Bild heraus darf!

So, das war’s mal fürs Erste – weitere Schritte bei der Bildgestaltung wie z.B. Linienverlauf, Schärfentiefe und Blendenöffnung etc. folgen dann mal – es muss aber nicht alles von mir kommen, vielleicht ist das hier ja ein Anstoß für andere, ihre Erfahrungen mit einzubringen.........

Grüßle Gerhard


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BeitragVerfasst: Fr Mai 07, 2010 1:44 pm 
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Registriert: Mo Dez 25, 2006 10:57 am
Beiträge: 7276
Wohnort: Bern und manchmal Ban Muang Sakon Nakhon
Sehr gut und süffig beschrieben, lieber Gerhard.
Seit die Kameras ein Display haben und ich mit meinem rechten Auge nicht mehr durch den Sucher schauen muss, gelingt mir die Bildkomposition vor Ort besser, wahrscheinlich, weil ich mehr Distanz zum Bild habe.

_________________
Lieben Gruss aus Bern und Ban Muang, Michaleo มิคาเอล


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BeitragVerfasst: Fr Mai 07, 2010 3:38 pm 
Bei mir ist es genau umgekehrt - weil ich beim Display auch immer die Umgebung wahrnehme, kann ich mich weniger konzentrieren. Ist wie bei allem, es gibt viele Wege,nach Rom zu kommen...

Grüßle


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